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An: An den Gemeinderat und den Bürgermeister der Gemeinde Stetten sowie an die Niederösterreichische Landesregierung als Aufsichtsbehörde

Rechenzentrum Stetten: Keine Umwidmung ohne Antworten

Visualisierung des Rechenzentrums Stetten (Plan)
In Stetten wird ein Rechenzentrum (Data Center) geplant und es wird hierfür eine Umwidmung der Raumordnung, des Bebauungsplans und von Flächen betrieben; es handelt sich hierbei um eine angstrebte Umwidmung von 4,3 Hektar „Grünland-Freihaltefläche" in „Bauland-Sondergebiet-Datacenter-Frist".

Wir fordern den Gemeinderat der Gemeinde Stetten und die Niederösterreichische
Landesregierung auf:


1. Keinen Umwidmungsbeschluss, solange die zentralen Fragen unbeantwortet sind:

Wer ist der Projektwerber? Wie hoch ist die elektrische Anschlussleistung? Wie
wird gekühlt und wie viel Wasser braucht die Anlage im Jahr? Wohin geht die
Abwärme? Wie laut ist der Nachtbetrieb?

2. Vollständige Offenlegung aller Unterlagen: Erläuterungsbericht, Grundlagenforschung und Interessenabwägung, sämtliche Gutachten, der Masterplan sowie alle Raumordnungsverträge, Absichtserklärungen und Optionsvereinbarungen mit dem Projektwerber und mit Grundeigentümern.

3. Eine Volksbefragung in der Gemeinde Stetten, bevor entschieden wird: Die Flächenwidmung liegt im eigenen Wirkungsbereich der Gemeinde und ist damit einer
Volksbefragung zugänglich.

4. Sollte das Vorhaben überhaupt weiterverfolgt werden: verbindliche Bedingungen
in einem Raumordnungsvertrag
, wie z.B. eine geschlossene Kühlung ohne Trinkwasser, eine
vertragliche Obergrenze für den Wasserverbrauch, nachgewiesene ganzjährige
Abwärmenutzung mit benannten Abnehmern, verbindliche Nachtlärmgrenzwerte, eine Gebäudehöhe im ortsüblichen Maß statt 25 Metern und eine Rückbaugarantie mit finanzieller Sicherstellung.


Warum ist das wichtig?

Am 5. August 2026 wurden in Ostösterreich die höchsten Temperaturen der
Messgeschichte erreicht. In Wien-Stammersdorf, acht Kilometer von Stetten
entfernt, waren es 41,0 Grad. Ende Juli lagen knapp 90 Prozent der
österreichischen Grundwassermessstellen niedrig oder sehr niedrig. Das
Weinviertel ist eine der trockensten Regionen des Landes.

Ausgerechnet hier soll ein Rechenzentrum entstehen. Und ausgerechnet hier weiß niemand, wie viel Wasser und Strom es brauchen wird.

Was geplant ist

Die Gemeinde Stetten will 4,3 Hektar im Betriebsgebiet West von
„Grünland-Freihaltefläche" in „Bauland-Sondergebiet-Datacenter" umwidmen:
Fläche, die bisher ausdrücklich freizuhalten war, rund sechs Fußballfelder groß.
Parallel dazu wird der Bebauungsplan geändert: 45 Prozent Bebauungsdichte und
eine höchstzulässige Gebäudehöhe von 25 Metern.

Geplant sind drei dreigeschoßige Gebäude mit Frontlängen von 94,6 und 64,5
Metern sowie drei technische Nebengebäude, darunter eine gasisolierte
Schaltanlage von 50 Metern Länge. Das der Gemeinde vorliegende Ortsbildgutachte hält selbst fest, dass die bestehende Bebauung im Umfeld den Bauklassen I bis V
entspricht (also bis 17 Meter) und dass das Vorhaben „hinsichtlich der
Gebäudehöhe von den bestehenden Höhen im Bezugsbereich offenkundig abweicht".

Die öffentliche Auflage lief von 27. Februar bis 10. April 2026 – im Gemeindeamt. In der Bürgerinformation der Gemeinde kam das Vorhaben nicht vor. Viele in Stetten haben hiervon letztendlich offiziell nichts davon erfahren.

Was niemand weiß

Bis heute ist nicht öffentlich, wer hinter dem Projekt steht, wie viel Strom die
Anlage beziehen soll, mit welcher Technik sie gekühlt wird, wie viel Wasser sie
jährlich verbraucht, wohin die Abwärme geht und wie laut die Kühlaggregate
nachts sind.

Das ist keine Nebensache. Je nach Kühltechnik liegen zwischen der sparsamsten
und der durstigsten Variante zwei Größenordnungen. Im Fall des Google-Rechenzentrums im oberösterreichischen Kronstorf dürfen bis zu 200 Liter
pro Sekunde aus der Enns entnommen und täglich Millionen Liter auf bis zu 30
Grad erwärmt zurückgeleitet werden. Stetten hat keine Enns. Solange das Kühlkonzept nicht auf dem Tisch liegt, beschließt der Gemeinderat über etwas,
dessen Wasserbedarf er nicht kennt.

Warum dieser Standort der falsche ist


Das Land Niederösterreich hat im April 2026 eine eigene Rechenzentren-Strategie
beschlossen sowie im Juni 2026 diesbezügliche Leitlinien konkretisert, welche eingehalten werden sollen. Darin hält es 30 bis 40 Hektar für ganz Niederösterreich für ausreichend, gibt Brachflächen ausdrücklich den Vorrang vor der grünen Wiese, verlangt ein ganzjährig durchgehendes Abwärmenutzungskonzept sowie die Bevölkerung transparent einzubinden. Dieses Vorhaben auf ausgewiesener Freihaltefläche, über das in der Gemeindezeitung kein Wort stand, erfüllt leider bislang keinen dieser drei Punkte.

Dazu kommt: Die bisherige Auflage „Realisierung erst nach einer gemeinsamen
Verkehrserschließung mit der Gemeinde Leobendorf" soll gestrichen werden. Die
Nachbargemeinde ist unmittelbar betroffen, ohne dass sie entscheidet.

Und der wirtschaftliche Ertrag für die Gemeinde ist überschaubar. In Kronstorf
entstehen auf 50 Hektar rund 100 Arbeitsplätze und somit zwei je Hektar. Die
Kommunalsteuer bemisst sich an der Lohnsumme, nicht an der Investitionssumme.
Dem gegenüber stehen 4,3 Hektar Boden, die unwiederbringlich verloren sind.

Wogegen wir nicht sind


Wir sind nicht gegen Digitalisierung und nicht prinzipiell gegen Rechenzentren. Österreich braucht Rechenkapazität, und es ist besser, sie steht hier als anderswo. Wir sind dagegen, dass eine Gemeinde mit 1.373 Einwohnern eine Entscheidung über 25 Jahre trifft, ohne die Grundlagen dafür zu kennen, und dies zudem in einem Sommer und unter Umfeldbedingungen, in dem die Temperaturrekorde fallen und das Grundwasser sinkt.

Wir verlangen nichts, was nicht ohnehin die erklärte Linie des Landes
Niederösterreich wäre.

Was Sie jetzt tun können

Unterschreiben Sie diese Petition und teilen Sie sie. Und wenn Sie in Stetten
wohnen und wahlberechtigt sind: Melden Sie sich bei uns, beispielsweise unter der Email-Kontaktadresse --> [email protected] .

Für eine Volksbefragung auf Gemeindeebene, welche das NÖ Landesrecht als Instrument der direkten Demokratie vorsieht, braucht es Unterschriften auf Papier, die diese Online-Petition rechtlich nicht ersetzen kann. Wir sagen Ihnen, wo und wie.


Quellen:

- Kundmachung der Gemeinde Stetten vom 25.02.2026, Verfahren PZ STTT–FÄ13–12838–E und PZ STTT–BÄ2–12883–E
- Auflageunterlagen der Gemeinde Stetten samt Ortsbildgutachten nach § 56 NÖ Bauordnung 2014 und Masterplan, beide vom 29.01.2026
- GeoSphere Austria und noe.ORF.at zu den Temperaturrekorden vom 05.08.2026
- BMLUK, „Wasserhaushalt Juli 2026", 05.08.2026
- Strategie Rechenzentren Niederösterreich, April 2026, und Leitfaden Rechenzentren NÖ vom 11.06.2026
- Wiener Zeitung, „Kronstorf: Anrainer:innen kritisieren Googles Baupläne", 14.07.2026
- NÖN Korneuburg, „Umwidmung – Stetten: Massive Kritik an geplantem Datenspeicher", April 2026
- Ein vollständiges Quellendossier mit jeder Zahl, jedem Datum und jedem Link stellen wir auf Anfrage zur Verfügung.


Stetten, Österreich

Maps © Stamen; Data © OSM and contributors, ODbL

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2026-08-12 16:59:38 +0200

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2026-08-11 16:36:30 +0200

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